Förderkreis Synagoge Binswangen e.V.
 Alte Synagoge  Der Förderkreis  Jüdisches Leben  Termine  Information  Kontakt 

Jüdisches Leben im Landkreis Dillingen a.d.Donau

Die aufblühenden Städte insbesondere an der Donau schufen eine Voraussetzung für die Niederlassung von Juden. Im Rahmen des wachsenden Handels betätigten sie sich im Fern- und Nahhandel sowie im Geldverleih, der damals den Christen noch nicht erlaubt war.
Juden werden erstmals im Landkreis Dillingen a.d.Donau 1293 in den Städten Gundelfingen a.d.Donau, Höchstädt a.d.Donau und Lauingen (Donau) genannt; in Dillingen a.d.Donau erst ein halbes Jahrhundert später (1343). Im Jahre 1344 war ein Jude Eysack aus Höchstädt Steuereintreiber in den Donaustädten Gundelfingen, Lauingen und Höchstädt.
Wie in anderen deutschen Städten, so ist auch die jüdische Geschichte im Landkreis Dillingen a.d.Donau geprägt von Aufnahme und Duldung, aber auch von Vertreibung.

Lauingen (Donau)
Die wechselhafte jüdische Geschichte und ihre Spuren soll zunächst am Beispiel der Stadt Lauingen (Donau) aufgezeigt werden. Dort befand sich die bedeutendste jüdische Ansiedlung des Mittelalters in unserem Landkreis.

Die erste Verfolgung der Juden, nach ihrem christlichen Anführer "Rindfleisch-Verfolgung" genannt, ist für das Jahr 1298 nachweisbar. Obwohl für Lauingen (Donau) keine Nachrichten dieser reichsweiten Verfolgung überkommen sind, dürfen Maßnahmen gegen die Juden unterstellt werden. Doch schon 1324 sind wieder Juden für die Stadt bezeugt.

Während der Pestzeit 1348 - 50 lastete man den Juden Brunnenvergiftung an. Es ist davon auszugehen, dass die Stadt, wie dies in anderen Städten der Fall war, ihre Grundstücke mit den Häusern einzog und darauf das noch heute bestehende Spital gründete. Diese Stiftung bestätige am 5. September 1350 der Augsburger Bischof Markward von Randegg. Es kann vermutet werden, dass an der Stelle der heutigen Spitalkirche St. Alban die Synagoge gestanden hat. In vielen Städten, wo dies quellenmäßig besser belegt ist, wurde nämlich am Platz der Synagoge eine der Gottesmutter geweihte Kirche errichtet. Das ehemalige Patrozinium der Lauinger Spitalkirche war ein Marienpatrozinium (heute: St. Alban). Seitz (1982, S. 140) spricht die Vermutung aus, dass die Quellfassung in der Krypta der Lauinger Spitalkirche auf ein kultisches, jüdisches Tauchbad (Mikwe) zurückgeht.
Zur Wiedererlangung der kultischen Reinheit war, gemäß der biblischen Überlieferung, aus verschiedenen Anlässen ein Reinigungsbad vorgeschrieben; beispielsweise nach der Heilung von bestimmten Krankheiten, nach der Berührung mit Toten oder bei Frauen nach der Menstruation (3. Mose 15, 5ff; 4. Mose 19, 19; 5. Mose 23, 12). Das mehr kultischen als der körperlichen Reinigung dienende Tauchbad hatte aus "lebendigem Wasser", insbesondere Fluß- bzw. Quellwasser, zu bestehen. Das Basin musste aus einzelnen zusammengefügten Steinplatten gebaut und am besten in die Erde eingemauert sein.

Im Spätmittelalter war der Judenschutz von Kaiser und Reich auf den jeweiligen Landesherren übergegangen. Weniger aus Nächstenliebe als aus steuerlichen Gründen nahmen sie Juden in ihrem Herrschaftsgebiet auf. Die Juden mussten nämlich hohe, jährliche Schutzgelder an ihn entrichten.

Seit 1367 wurden wieder Juden in Lauingen (Donau) durch Herzog Friedrich von Teck geduldet, der damals die Stadt als Pfand von den Herzögen von Bayern innehatte. Nach und nach ließen sich Juden in einer Gasse des Weberviertels nieder. Sie erhielt den Namen "Judengasse". 1882 wurde dieser Straßenname durch "Hirschstraße" ersetzt. Herzog Ludwig IX., der 1450 die Macht übernommen hatte, ließ die Juden aus den Städten und Märkten des Herzogtums Bayern-Landshut ausweisen. Wie bereits nach der Pestzeit von 1348/50, so wurde auch jetzt der jüdische Besitz dem Spital übergeben. Aus der Synagoge wurde ein "Bilgrinhaus" für Pilger und christliche, reisende Kauf- und Handelsleute.

Um 1550 ist wieder eine jüdische Gemeinde in diesem Bereich auszumachen. 1553 ließ Pfalzgraf Ottheinrich alle Juden aus dem Fürstentum Pfalz-Neuburg, zu dem Lauingen (Donau) seit 1505 gehörte, vertreiben. Erst unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm (1614 - 53) war den Juden die Ansiedlung wieder gestattet. Relativ schnell konnte sich eine jüdische Gemeinde ausbilden, namentlich durch den Zuzug aus umliegenden Landgemeinden. 1636 waren in Lauingen (Donau) 58 Juden ansäßig. 1653 mussten sie die Stadt abermals verlassen.
Bemerkenswert ist, dass in der Judengasse kein reines Getto entstand, wie etwa in der Judengasse in Donauwörth. Es blieben nämlich noch einige christliche Familien hier wohnen.
Ein beredtes Zeugnis dieser Zeit stellt die ehemalige Synagoge bzw. Judenschule (Hirschstr. 18) dar. Im Mittelalter war für Synagoge der Begriff "Schule" verbreitet. Martin Luther übersetzte Synagoge mit "Judenschule". Heute wird das Gebäude im Volksmund "Seelhaus" genannt. Der stattliche, zweigeschossige Satteldachbau stammt aus den 16./17. Jahrhundert.

Dillingen a.d.Donau
Auch in Dillingen a.d.Donau sind Juden nachweisbar. Hier konnten sie sich bis zum allgemeinen Judenverbot durch Bischof Eglof von Knöringen im Jahr 1574 halten. Sichtbare Spuren aus dieser Zeit sind nicht überkommen.
Namentlich im vergangenen Jahrhundert und bis in die 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts lebten wieder Juden in Dillingen a.d. Donau, z. B. 1867 2, 1890 19, 1900 7, 1933 3 und 1937 keine Juden.

Höchstädt a.d.Donau
Die Straßenbezeichnung "Judenberg" in Höchstädt a.d.Donau hält die Erinnerung an die dortigen jüdischen Bewohner heute noch wach. 1450 hatten sie dort die Stadt zu räumen. Unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm (1614 - 53) ließen sich mitten im 30-jährigen Krieg zahlreiche Juden in Höchstädt a.d.Donau nieder.
Ihre Begräbnisstätte, die etwa ein halbes Tagwerk umfasste, befand sich jenseits der Landstraße auf der Höhe der Friedhofskirche St. Salvator.
Durch Dekret vom 7. April 1740 hatten sie binnen Jahresfrist Höchstädt a.d. Donau zu verlassen. In späterer Zeit lebten nur noch einzelne Personen mosaischen Bekenntnisses in Höchstädt a.d.Donau, z. B. 1910 nur ein Jude.

Buttenwiesen
Die namentlich im 15. Jahrhundert zu beobachtende Vertreibung von Juden aus den Reichsstädten und aus landesherrlichen Städten führte dazu, dass sie sich verstärkt in Landgemeinden niederließen. Dies bedingte, dass sich Juden neben dem Geldverleih auf den regionalen Handel konzentrierten, etwa auf den Hausierhandel und den Handel mit Vieh, besonders mit Pferden. Die Handelstätigkeit brachte nicht selten auch erhebliche Spannungen zwischen den christlichen Bewohnern und den "Ungläubigen oder Juden" mit sich. Den Juden war nämlich bis zur Einführung der Gewerbefreiheit in der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Erlernung und Ausübung eines Handwerks nicht möglich.
Neben Binswangen entwickelte sich in Buttenwiesen eine stattliche Judengemeinde.

In Buttenwiesen finden wir noch deutliche Spuren vor, die an die ehemals stattliche jüdische Gemeinde gemahnen. Juden lassen sich in Buttenwiesen erstmals zwischen 1561 und 1582 belegen. Ihre Ansiedlung war durch die Markgrafschaft Burgau entlang der Landstraße nach Mertingen und nach Wertingen gestattet worden. Dies hat eine besondere Ursache: Die Markgrafschaft Burgau beanspruchte nämlich diesen herrschaftslosen Raum unmittelbar neben der Landstraße, für die sie die Geleits- und Straßenhoheit innehatte.

Synagoge (Schulplatz 6)
Der zweigeschossige, längsrechtige Satteldachbau wurde 1857 anstelle eines 200-jährigen Vorgängerbaus neu errichtet. Im Inneren wurde er während der Reichskristallnacht 1938 zerstört. Der jetzige Zustand stammt aus dem Jahre 1954. Seit dieser Zeit dient das Bauwerk als Volksschule.

Judenfriedhof
Unweit östlich der Synagoge liegt der Judenfriedhof, der ursprünglich 1632 angelegt und 1741 erweitert wurde. Die ältesten Grabsteine, die im Südteil des Friedhofes liegen, stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Am Westrand des Friedhofes steht das frühere Leichenhaus und das ehemalige Badhaus (Schulplatz 8). Die beiden schlichten, eingeschossigen Kleinhäuser wurden in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeführt.

Wertingen
In Wertingen, wo Juden unter der Herrschaft der Familie Langenmantel (1348 - 1467) zahlreich bezeugt sind, treffen wir heute keine jüdischen Spuren mehr an.


 Alte Synagoge  Der Förderkreis  Jüdisches Leben  Termine  Information  Kontakt