Auszüge aus der Chronik der Kolpingsfamilie Höchstädt

Gründung

Gasthof Greifen - 1. Vereinslokal
Gasthof Greifen - 1. Vereinslokal

Die Kolpingsfamilie Höchstädt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Hervorgegangen ist sie aus dem katholischen Gesellenverein, der im Sommer des Jahres 1867 von 30 Handwerksgesellen gegründet wurde, nachdem der damalige Stadtpfarrer Aulinger mit größter Freude seine Zustimmung zur Gründung des Gesellenvereins gegeben hatte und den Stadtkaplan Gottfried Wallner als Präses vorgeschlagen hatte. Die Gründung des katholischen Gesellenvereins Höchstädt war die erste nach dem Tode Adolph Kolpings in der Diözese Augsburg. Am 7. Juni 1867 fand die erste Versammlung im Gasthof Zum Greifen statt.

Aktivitäten des Gesellenvereins

Während der Wintermonate wurde jeweils am Montag Unterricht in Geographie, im schriftlichen Aufsatz und im Gesang erteilt. Der Christbaum am Stephanstag und das Fest des Hl. Joseph wurden im größeren Rahmen gefeiert. Die Unterrichtsstunden wurden später noch erweitert: Stenographie, Buchhaltung, das neue metrische Maß- und Gewichtssystem, Deklamation und das Theaterspiel gehörten bald auch dazu. So wurden laut Kassenbuch am 11. 12. 1870 zum erstenmal 39 Kreuzer für entliehene Kostüme aus der Dillinger Maskengarderobe für eine Theateraufführung beim Christbaumfest ausgegeben. Das Theaterspiel hat also schon eine sehr lange Tradition bei der Höchstädter Kolpingsfamilie. Diese Tradition ist aber auch eine große Verpflichtung für die Theatergruppe heute.

Der Gesellenverein zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Errinnerungsphoto zur Fahnenweihe 1922
Errinnerungsphoto zur Fahnenweihe 1922

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg beteiligte sich der katholische Gesellenverein Höchstädt vor allem durch seine Theateraufführungen am kulturellen Leben der Stadt. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges beschränkte sich die Tätigkeit des Gesellenvereins auf monatliche Zusammenkünfte und die Unterstützung der Kameraden im Felde. Im Jahr 1919, als der Krieg endlich vorbei war, hat man dann gleich fünf Theaterstücke aufgeführt, unter anderem das romantische Schauspiel 'Der Freischütz' - die Vorstellungen waren allesamt ausverkauft.

Am 24. September 1922 wurde die neue Vereinsfahne feierlich geweiht, allerdings ohne Prunk in einer schlichten, der damaligen Zeit angepaßten Weise. Als Patenverein fungierte damals der Gesellenverein von Dillingen. Auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war das Vereinsleben geprägt von vielerlei Aktivitäten rund ums Theaterspiel: So fand 1924 im November ein großer Theater- und Humoristenwettstreit statt, wobei 12 Humoristen und 8 Theatergruppen auftraten. Der höchstädter Gesellenverein erreichte den ersten Preis mit dem Lange'schen Schauspiel 'Findlinge'.

Ein weiterer Höhepunkt war die Aufführung des Passionsspiels 'Das Leiden unseres Herrn' im Jahre 1926 durch die katholischen Vereine Höchstädts - vom Gesellenverein waren mehrere Personen beteiligt, insgesamt wirkten bei dieser Aufführung etwa 60 Personen mit! Am 26. November 1933 war die letzte Generalversammlung des katholischen Gesellenvereins Höchstädt. Kurz darauf ist von den Nationalsozialisten das Kolpingwerk verboten worden.

Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg

Nach 13 Jahren fand am 19. März 1947 durch Benefiziat Marin Lederle die Wiedergründung des Vereins, nun unter dem Namen 'Kolpingsfamilie Höchstädt' statt. Erster Senior wurde der Schmiedemeister Fritz Ludwig. Unter seiner Leitung feierte man am 26. Oktober 1947 das 80-jährige Gründungsjubiläum in festlicher und geselliger Form. In diesem Rahmen wurde auch zum ersten Mal nach dem 2. Weltkrieg wieder Theater gespielt, zur Aufführung kam der Schwank 'Lustige Gesellen'. Am 26. Dezember 1948 wurde das neue Vereinsbanner, gestiftet vom katholischen Gesellenverein Uznach (Schweiz), bei einem feierlichen Gemeinschaftsgottesdienst geweiht. Neben einer 'Altkolping'-Gruppe wurde in den 50er Jahren auch die 'Jungkolping'-Gruppe gegründet. Diese wuchs in den 60er Jahren bis auf 90 Mitglieder an. Die Aktivitäten waren damals: Im Sommer Fahrten, Zeltlager, Spiele und Sport, im Winter waren Gruppenabende mit verschiedenen Themen, Spielen und anderen Aktionen an der Tagesordnung. Auch ein Brautläutekurs wurde abgehalten und natürlich auch Theater gespielt.

Die 'wilden Sixtees'

Bei einem Faschingsball im Bergsaal kam es 1968 zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen dem damaligen Präses Alois Merxmiller und der Höchstädter Kolpingsfamilie anläßlich einiger 'harmloser Pfarrerswitze'. Dies führte so weit, daß in einer außerordentlichen Generalversammlung beschloßen wurde, den Geistlichen nur noch als "Proformapräses" zu führen. Bald darauf übernahm Stadtkaplan Erich Urbanek das Amt des Präses. Dieser verließ Ende 1968 aber die Pfarrei, erst Anfang 1969 folgte ihm Stadtkaplan Karl Meisburger nach. Das 100. Gründungsjubiliäum wurde deshalb am 26. 10. 1968 ( ein Jahr zu spät! ) im Café Vogel ohne Präses gefeiert.

Kolpingarbeit in den 70er und 80er Jahren

Das sind Männer und keine Dutterer!
Das sind Männer und keine Dutterer!

Unter den Senioren Erich Bawidamann und Hans Mesch, bzw. dem 1. Vorsitzenden Gerhard Kommer wurden insbesondere sportliche und gesellige Veranstalungen auf lokaler, Bezirks- und Diözesanebene besucht und durchgeführt - mit teilweise beachtlichen Erfolgen! Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde die Forderung laut, der Kolping- und Pfarrjugend eigene Räumlichkeiten in dem vom damaligen Stadtpfarrer Konrad Schreiegg angeregten Neubau eines Pfarr- und Jugendzentrums anzubieten. Doch daraus sollte so schnell nichts werden; statt dessen mußte mit dem alten Mesnerhaus als Treffpunkt vorlieb genommen werden. Trotzdem wurde unter den Gruppenführern Konrad Karg und Anton Zerle, sowie dem Präses K. Meisburger die Jugendarbeit weiter vorangetrieben. Wie auch heute noch üblich, fuhren die Kolpingssöhne regelmäßig zu lustigen Zeltlagern, während derer das Zusammengehörigkeitsgefühl erheblich gestärkt wurde, besonders dann, wenn ältere Kolpingsbrüder des Nachts zum Herings- und Fahnenklau angeschlichen kamen. Den gewachsenen finanziellen Anforderungen wurde die Kolpingsfamilie dadurch gerecht, indem sie mit den auch heute noch durchgeführten Altmaterialsammlungen und den jährlichen Theateraufführungen die Vereinskasse aufbesserte. Darüber hinaus verschönerte die Kolpingsfamilie mit lustigen Einlagen viele Pfarrfamilienabende; auch die regelmäßig abgehaltenen Faschingsbälle erfreuten sich äußerst regen Besuchs.

1980 mußte die Kolping-Theatergruppe von der Bühne des liebgewonnenen Bergsaales Abschied nehmen und fand in der Mehrzweckhalle für einige Jahre ihr neues Domizil. Im Jahr 1981 gründete der heutige Vorsitzende der Kolpingsfamilie Höchstädt, Jakob Kehrle, den Veteranentreff, bestehend aus ehemaligen Jungkolpingmitgliedern; dieser beteiligt sich auch heute noch aktiv am Vereinsleben. Der Name 'Veteranentreff' rührt daher, daß die damals etwa 23-jährigen Mitglieder bereits zu den ältesten Aktiven überhaupt gehörten.

In dieser Zeit wurde auch die Freundschaft zur Kolpingsfamilie Laupheim begründet. Ausschlaggebend war die Einladung zum Internationalen Kolping Fußballturnier im Jahre 1983. Neue Akzente sezte auch der im April 1982 zum ersten Mal erschienene 'Kolpertinger', ein 'Informations- und Programmblättle' zur aktuellen Kolpingarbeit. Sogar das Bayerische Staatsarchiv in Augsburg wurde auf unsere Vereinszeitung aufmerksam und bezieht seit 1987 die aktuellen Ausgaben zur Archivierung. Im selben Jahr wurde das Kolpingszimmer im neuerrichteten Pfarr- und Jugendheim St. Josef eingeweiht. Die Einrichtung wurde von den Kolpingsmitgliedern und Handwerksmeistern Anton Zill und Franz Mayerle gefertigt. Den Plan für den Schrank zeichnete das Kolpingmitglied Albert Veh.

Die Kolpingsfamilie Höchstädt in den 80er und 90er Jahren

Eröffnungs-Wortgottesdienst zur Karl-Bullinger-Gedächtnisolympiade
Karl Bullingers Idee war es, ein sogenanntes
Sautrogrennen zu veranstalten.

Neben den gewohnten Veranstaltungen wie Filmabenden, Diskussionsabenden mit religiösen und aktuellen politischen Themen, Mairadtouren mit Maiandacht, Altmaterialsammlungen, Familiennachmittagen, Diavorträgen, Bezirkskegelmeisterschaften, Internationalem Kolping Fußballturnier in Laupheim, Fahrad-Fuchsjagden rund um Höchstädt, Schafkopf- und Rommé-Abenden, Pfarr- und Kolpingsbällen, Christkindlesmärkten, Osterspaziergängen, Karl-Bullinger-Gedächtnis-Olympiaden, Kolpinggedenkttagen, Gottesdiensten gestaltet von der Kolpingsfamilie, fanden natürlich auch spezielle Aktionsveranstaltungen statt. Leitthemen dabei waren der Umwelt- und Naturschutz, das Engagement für die Asylbewerber in unserer Stadt, die Unterstützung der Kolpingsbrüder und -Schwestern in Ungarn und Indien, aber auch die tatkräftige und finanzielle Beteiligung bei der Renovierung der Friedhofskirche und des Altarraumes der Stadtpfarrkirche. Das größte Ereignis dieser Zeit war der Erhalt einer Reliquie des seligen Adolph Kolping für den neuen Volksaltar der Stadtpfarrkirche.

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© by wolo, kolping höchstädt - 13.08.2008