Rat des Fachmanns Pflege und Erziehung

Zurück Standort Anzucht Pflege

Pflege und Erziehung junger Rebstöcke

Neben vielen Erziehungsmethoden sind in Gärten zwei Methoden gebräuchlich; der Kordon- und Bogrebenschnitt. Den Kordonschnitt wendet man vor allem bei Reben an Mauern und Gebäuden, den Bogrebenschnitt (Bogenschnitt) auf Weinbergen bei Pflanzen an einzelnen Pfählen an. Beim Kordonschnitt wird dem Weinstock ein Stamm belassen, und die Fruchttriebe werden jedes Jahr auf ein Auge zurück geschnitten. Er ist ungeeignet für Sorten, bei denen die ersten Augen am jungen Trieb nicht fruchtbar sind. In diesem Fall ist es besser, die Fruchttriebe auf vier Augen zu kürzen und die unfruchtbaren, blütenlosen Ruten im Frühjahr herauszuschneiden.

Von den sich im ersten Jahr entwickelnden Trieben wird nur ein Haupttrieb hochgezogen. Der junge Trieb wird alle acht bis zehn Tage neu an einen Pfahl angebunden, damit er sich gut entwickeln kann. So kann man schon im ersten Jahr einen Trieb von 1,2 bis 2 m Länge erhalten. Wenn dieser Trieb 20 – 30 cm lang ist, werden alle übrige Triebe zurück geschnitten. Erreicht der Haupttrieb im ersten Jahr nicht etwa einen Meter Länge, schneidet man ihn bis auf zwei Knospen über der Veredlung ab und erzieht im kommenden Jahr die neuen Austriebe genau wie im ersten Jahr. Hat der Trieb aber die erforderliche Länge erreicht oder überschritten, wird die Rebe im Frühjahr des zweiten Jahres auf die gewünschte Stammhöhe zurück geschnitten, und zwar über einer gut ausgereiften Knospe. Wichtig ist, dass man den Schnitt nicht zu tief, sondern 1 bis 1,5 cm über der Knospe ansetzt. Hier unterscheidet sicht der Schnitt grundsätzlich von dem anderer Obstgehölze. Auch ist es sinnlos, bei zu schwachem Wuchs, zum Beispiel im ersten Jahr, den Haupttrieb länger zu lassen als zwei Knospen über der Veredlung. Die Folge wäre nur, dass die Rebe auch im zweiten Jahr kümmert.

Beim Rebschnitt wird stets Ersatz- und Tragholz angeschnitten. Aus den Knospen der Tragreben (zweijähriges Holz) treiben Sprosse aus, die Trauben tragen. Nach der Ernte wird die ganze Tragrebe weg geschnitten. Aus dem Zapfen treiben neue Ruten, die das Ersatzholz, also die Tragreben für das nächste Jahr, liefern. Jeder Rebe eines Weinstocks wird eine bestimmte Aufgabe zugeteilt. Sie dient entweder als Tragrebe, oder sie ist zum Ersatz bestimmt, soll also das Holz liefern, das im nächsten Jahr Trauben bringt.

Als Tragreben können nur die Reben gewählt werden, die auf einjährigem, das heißt auf vorjährigem Holz stehen. Reben, die sich in einem Jahr auf altem Holz gebildet haben, sind im gleichen Jahr unfruchtbar. Sie müssen daher zunächst zu Zapfen zurück geschnitten werden. Die sich dann aus diesen Zapfen entwickelnden Triebe sind fruchtbar und können beim Winterschnitt zu Tragreben angeschnitten werden.

Da Schneiden ist schwierig, weil nicht alle Weinsorten gleich reagieren. Bei einigen Sorten sind bereits die untersten Knospen Fruchtknospen, bei anderen wird der fruchttragende Trieb dagegen erst aus der dritten oder vierten Knospe gebildet. Da es den Knospen nicht anzusehen ist, ob sie fruchtbar oder unfruchtbar sind, muss man die Sorteneigentümlichkeiten kennen und beim Schnitt berücksichtigen.

Im Juni werden alle tragenden Ruten zurück geschnitten, wenn die Beeren die Größe kleiner Erbsen haben. Dadurch können sich die Trauben besser entwickeln. Die Ruten, die als Ersatz für Tragreben oder Zapfen für das nächste Jahr benötigt werden, kappt man im August etwa zwei bis drei Knospen über der Stelle, wo sie beim späteren Winterschnitt abgeschnitten werden sollen. Dann müssen noch alle Geiztriebe, die sich im Lauf des Jahres in den Blattwinkeln gebildet haben, entfernt werden, wenn sie etwa 40 cm lang sind.