Förderkreis Synagoge Binswangen e.V.
 Alte Synagoge  Der Förderkreis  Jüdisches Leben  Termine  Information  Kontakt 

Die Juden in Schwaben
( Quelle:  Reinhard H.Seitz )
Juden sind im bayerischen Schwaben urkundlich erst seit dem Jahre 1212 genannt. Die Geschichte ihrer Ansiedlung läßt sich bei uns in vier Abschnitte einteilen:
  1. In einem hoch- und spätmittelalterlichen Abschnitt, geprägt von Wohnort Stadt; die damals bei uns neu aufkommende Siedlungsform bot ihnen mehr Sicherheit, dazu auch einen wirtschaftlichen Rückhalt. Dieser Abschnitt reichte bis hin zu einer zeitlich recht unterschiedlichen Vertreibung der Juden aus den Städten.
  2. In einen frühneuzeitlichen Abschnitt, geprägt von zunächst stark flukturierenden Einzelansiedlungen von Juden auf dem Lande, aus denen sich dann die starken Landjudengemeinden in reichsfürstlichen oder reichsritterlichen Adelsherrschaften im damals herrschaftlich sehr stark zersplitterten Schwaben als Überlebensstationen herausbildeten.
  3. In einen im 19. Jahrhundert einsetzenden, vom langsamen Ausbluten dieser Landjudengemeinden geprägten Abschnitt. Dieses Ausbluten war bedingt durch die Auswanderung einer oft großen Nachkommenschaft über den großen Teich hinüber in das Land der ungegrenzten Möglichkeiten, nach (den Vereinigten Staaten von) Amerika, als Folge des sog. Judenedikts von 1813.
  4. Unter diesen Prozeß setzte jedoch ein ideologisch bedingter Rassenwahn des Nationalsozialismus binnen nur weniger Jahre in einem Holocaust, einer bis dahin nicht gekannten, unvorstellbar schrecklichen Verfolgung, einen Schlußpunkt - fast ohne Hoffnung auf und für einen Neuanfang.
Wurden in Schwaben im Spätmittelalter Juden aus Städten vertrieben, so ließen sie sich nach Möglichkeit immer in einer anderen Stadt nieder, in der Juden durch den Stadtherrn oder das Stadtregiment noch geduldet waren. Mit der Austreibung aus der Reichstadt Augsburg (1438), den herzoglich-bayerischen Landstädten Gundelfingen (Donau), Lauingen (Donau) und Höchstädt a.d. Donau (1450), den Reichsstädten Nördlingen (1507) und schließlich Donauwörth (1518) wurde der Lebensraum für sie aber immer kleiner. Nur in einigen Riesdörfern der Grafen v. Oettingen-Wallerstein lebten - wie schon vorher, so auch nachher und nach einer kurzen zeitweisen Vertreibung (nach der Verpfändung eines Grafschaftsdrittels an die Herzöge von Bayern-Landshut) - auch weiterhin Juden.

Bislang ließ sich in Schwaben nirgends belegen, daß sich Juden unmittelbar nach ihrer Vertreibung aus einer schwäbischen Stadt im Umkreis um diese dauernd auf dem Lande niedergelassen hätten - der Hinweis auf die zahlreichen Judengemeinden um die Reichsstadt Augsburg hält einer kritischen Prüfung nicht stand, denn auch hier entstehen die Landjudengemeinden erst im zweiten bis dritten Drittel des 16. Jahrhunderts. 

Wir stehen vor einem Phänomen und Rätsel zugleich: Wir wissen nämlich nicht, woher die jeweils ersten Juden kamen, welche jene Landjudengemeinden begründeten, die sich ab den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts vor allem in Mittelschwaben langsam herausbildeten.


 Alte Synagoge  Der Förderkreis  Jüdisches Leben  Termine  Information  Kontakt