Förderkreis Synagoge Binswangen e.V.
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Entwicklung während der Weimarer Republik

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, an dem übrigens auch die Binswanger Juden gleich den Christen aus dem Ort teilgenommen haben, war die Weimarer Zeit für eine weitere Assimilierung auch der Binswanger Juden günstig. Das Verhältnis zwischen den Juden und Christen wird als ein durchaus tolerantes Nebeneinander geschildert. Für Wirtschafts- und Sozialneid bot sich keinerlei Anlass, denn die Juden befanden sich in keiner günstigeren wirtschaftlichen Lage als die christliche Einwohnerschaft. Konnte von einer ghettoähnlichen Situation der Juden in Binswangen sowieso nie die Rede sein, so hatte es die Entwicklung im 19. Jahrhundert darüber hinaus mit sich gebracht, dass immer mehr christliche Familien neben jüdischen zu wohnen kamen. Denn jene Häuser, die die Juden zurückgelassen haben als sie auswanderten oder in die Städte zogen, erwarben meist christliche Einwohner.

Der in der gleichen Weimarer Zeit in Deutschland aufkommende Nationalsozialismus mit seinem antisemitischen Jugendfeindbild und der Überschätzung der arischen als der einzig reinen Rasse schreckte aber schon bald auch die immer kleiner werdende Binswanger Gemeinde. Die Zahl der Juden sank von 74 vor dem Ersten Weltkrieg auf 36 am Ende der Weimarer Republik.

Seitens der Binswanger Einwohnerschaft ist es bis zum Machtantritt Hitlers und noch länger zwar zu keinen antisemitischen Ausschreitungen gekommen, wohl aber fanden solche auch in Binswanger bereits früh (im Juni 1924) statt, als eine NSDAP-Jugendgruppe in der Nähe des Dorfes ein Übungslager abhielt. Die jungen Nationalsozialisten warfen 30 Grabsteine des jüdischen Friedhofes um, zerschlugen einige und beschmierten andere mit Hakenkreuzen. Außerdem überfielen sie Juden in den Dorfstrassen und versuchten, in deren Häuser einzudringen. Ein Teil der Täter wurde von der Ortspolizei gefasst und der Anstifter der Friedhofsschändung zu 14 Wochen Gefängnis verurteilt.

Mit dem Machtantritt von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 bahnte sich dann auch für die noch hundert Jahre vorher in ihrer Blüte stehende jüdische Gemeinde von Binswangen das Ende an.



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